Lang lang ist's her, doch Internetmangel und Müdigkeit hielten mich vom Bloggen ab. Fakt ist: Ich lebe und bin noch unterwegs.
Metz, mein Tagesziel, ist wunderschön. Hier schlief ich in einer Jugendherberge und trieb mich bis noch spät abends in der Kathedrale bzw. den Fußgängerzonen der Altstadt herum. Besagte Kathedrale ist extrem hoch und wird ob ihrer gigantischen Fensterflächen im Volksmund "Laterne Gottes" genannt.
Unter anderem Marc Chagall zeichnet für die Gestaltung jener Fenster verantwortlich.
Des nächsten Tages fuhr ich nach Toul, wo man mich in der Touristeninformation einem Pärchen vermitteln konnte, das privat Pilgern Herberge bietet. Für sehr faire 18€ gab es hier Abendessen, Frühstück, Bett, Internet und EM-Finale sowie gute Gespräche. Die Dame des Hauses hat nämlich deutsche Wurzeln. Auch Toul besitzt eine schicke Kathedrale und eine hübsche Altstadt, jedoch ist der Aufschwung dort noch nicht gar so weit.
Nebenbei sind beide erwähnten Städte stark geschichtsträchtig, spielten sie doch im tragischen Schicksal der Jean d'Arc, der Jungfrau von Orléan, eine wichtige Rolle.
Von Toul fuhr ich nun nach Joinville. Bisher war ich weitestgehend dem Jakobsweg/ Jean d'Arc Pfad gefolgt, auf dieser Etappe musste ich mich jedoch an die Landstraßen halten, da die aufgeweichten Feldwege einmal mehr meinen bepackten Drahtesel nicht zu tragen bereit waren. Jene Landstraßen, alle mit einem D und zwei Ziffern gekennzeichnet, sind wenig befahren und ein guter Ersatz für Radwege. Es kommen ungefähr soviele Autos pro Stunde wie auf der Bölschestraße nachts um vier - für all jene denen dieser Vergleich hilft. Aufgrund eines platten Reifens kam ich zu spät in Joinville an, ein Fakt der mich zwang selber auf Unterkunftssuche zu gehen, was darin resultierte, dass ich in einem Gite für knapp 60€/Nacht unterkommen musste. In der Nähe meines nächsten Tageszieles hatte ich mehr Glück: Mein in Trier erstandener Pilgerführer wies mir den Weg ins Haus der Eheleute Loisy, die mich unglaublich freundlich aufnahmen und verköstigten. Auch unterhielten wir uns sehr nett, bei einer Flasche Champagner, die man aus Freude über meine Ankunft geköpft hatte. Dies ist besonders beeindruckend bedenkt man, das ich kein Französisch und die beiden weder Deutsch noch Englisch sprechen.
Mit Tonnere kam ich am nächsten Tag in eine Stadt, die eine lange Pilgertradition inne hat. Hier stand einmal das größte Pilgerhospiz Frankreichs, heute ein Museum. Auch heute ist man Pilgern gegenüber aufgeschlossen und so bezog ich Herberge im Clubhaus einer Französischen Scout Truppe.
Gestern, Donnerstag 5. Juli, erreichte ich Vézelay, eine Ortschaft in der Mitte Frankreichs, der ob ihrer Lage am Anfang der Via Lemonvicensis eine wichtige strategische Rolle auf meiner Fahr zufällt. Hier habe ich nun ungefähr die Hälfte meiner Tour erreicht.
Gestern Abend traf ich in der Pilgerherberge auch gleich auf eine große Anzahl von Mitpilgern, die jedoch allesamt per Pedes unterwegs sind. Ich erfuhr viel über verschiedene Beweggründe den Weg zu gehen und werde wohl den einen oder anderen nach meinem heutigen Erholungstag Morgen wieder überholen.
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